Mittwoch, 20. April 2011

Frühling

Mittlerweile hat der Frühling unbestreitbar und wohl auch erst mal anhaltend Einzug in unsere Gefilde gehalten, und alle so: "Yeah!"

Alle? Nein! Ein von einem unbeugsamen Hitzemuffel bevölkertes Ein-Zimmer-Appartment hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Aber Widerstand ist zwecklos und so muss auch ich mich der Jahreszeiten Lauf fügen und jeden Morgen einen Kompromis zwischen möglichst luftiger Kleidung zur bestmöglichen Vermeidung von Schweißflecken und mehreren Schichten zum Kaschieren eben jener finden, nur um dann unter Leuten festzustellen, dass die meisten Anderen sich völlig kompromislos für eines der beiden Extreme entschieden haben, was nicht selten zu einer herben Belastungsprobe für, je nach gewähltem Extrem, Augen oder Nase führt. Ich bin weder Willens, noch in der Position, mich über Gardemaßabweichungen zu mockieren oder gar brüskieren, aber ein gewisses Maß an Bedecktheit halte ich außerhalb des Badeanstalten-Settings für jeden Körpertyp für angebracht.

Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dem Lenz so gar nichts abgewinnen zu können. Auch ich bin der nassen Kälte der letzten Winterwochen überdrüssig, freue mich auf das erste Grillen und auch meine Seele lässt sich von wonnig wärmenden Sonnenstrahlen das ein oder andere Endorphinchen herauskitzeln, aber muss der Frühling denn gleich so auf dicke Hose machen? Wäre nicht zunächst mal ein behutsames gegenseitiges Kennenlernen angebracht? Ich hatte kaum die Chance, meine leichte Übergangsjacke aus dem Schrank zu kramen, da will der alte Schwerenöter mir direkt schon an die Wäsche und zwingt mich zur einschichtigen Ärmellosigkeit. Und wenn er dann mit mir fertig ist, meldet er sich wieder ein ganzes Jahr lang nicht!

Aber gut, ich gebe zu, dass jenes Problem wohl mit in meiner doch überdurchschnittlichen körpereigenen Isolierungsschicht begründet liegen mag. Aber auch davon unabhängige Schattenseiten des Frühlings werden allzu gerne übersehen. Offene Fenster, zum Beispiel. Will man mit einem reinen ökologischen Gewissen durch die Welt schreiten, versucht man den Einsatz von Klimaanlagen zu vermeiden, das Öffnen der Fenster ist hierzu die einfachste Methode, allerdings hat auch sie so ihre Haken: lästiges Flügelgeziefer verschafft sich unaufgefordet Zuflug zu meinen Räumlichkeiten und raubt mir, bestenfalls mit nervendem Gepinge gegen die Fensterscheibe, schlimmstenfalls mit bedrohlicher schwarz-gelber Gestreiftheit, ein ordentliches Stück Seelenfrieden. Und haben Schmeißfliegen, Bienen und Wespen dann endlich ihr aufdringliches Tagwerk vollbracht und doch noch den Weg um die Fensterscheibe herum nach draußen gefunden, übernehmen Nachtfalter und Mücken die Nachtschicht.

Noch schlimmer aber als Fluginsekten ist etwas ganz anderes, was Frühling mit seinem flatternden blauen Band durch die Lüfte wedelt: Pollen! Als Vollzeitallergiker vermiesen Blumen-, Gräser- und Baumsporen mir jeden Ausflug in die Natur, wo der ach so schöne Frühling ja erst seine ach so berauschende Wirkung entfaltet. Entschuldigt also bitte, wenn ich den allgemeinen Konsens boykottiere und mit dem Brustton der Überzeugung rufe: "Frühling? Meh!"

Und damit wären wir auch schon am Ende der wohl umfangreichsten Einlaitung zu einem doch maximal mittelmäßig großartigem Video angelangt. Hatschi!



hier erschnorchelt



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